Nach 70 Jahren Fotos von den Entwürfen des Hochaltars entdeckt
Enkelin des Künstlers Thomas Buscher fand die alten Unterlagen
Bad Königshofen (hf). Daß der Hochaltar das letzte Werk des Münchner Künstlers Thomas Buscher war, ist seit langen bekannt, auch, daß ein Professor August Weckbecker den Altar vollendete. Für beide Künstler war dies ihr letzter Auftrag, denn beide starben während der Ausführung des Kunstwerks. Erst vor wenigen Wochen entdeckte die Enkelin von Thomas Buscher in alten Unterlagen Fotos, die die Entwürfe zu dem Bad Königshofener Hochaltar in der Werkstatt des Münchner Künstlers zeigen. Bestellt wurde der Altar vom damaligen Stadtpfarrer von Königshofen, Adam Pfeuffer. Seine Briefe zum Werk liegen nun ebenfalls in Kopie vor.
Der kunstsinnige Stadtpfarrer, der in den Jahren von 1918 bis 1950 im Grabfeld wirkte, hat in der Stadtpfarrkirche nicht nur alte, längst vergessene Kunstwerke wieder auffrischen lassen und ihnen einen würdigen Platz in der Kirche verschafft, sondern auch den Hochaltar in Auftrag gegeben. Dieser ist das letzte Kunstwerk des bekannten Münchner Künstlers
Thomas Buscher, der während der Arbeiten für den Königshöfer Altar verstarb. Professor August Weckbecker, so kann man einer kleinen Tafel am Hochaltar
entnehmen, stellte nach den Plänen Buschers den Altar dann fertig. In einem Buch „Die Buscher-Brüder“ wird denn auch der Bad Königshofener Hochaltar ausführlich beschrieben. Die dortigen Engelsgruppen, links und rechts des Tabernakels, gehören nämlich zu den
letzten Werken aus der Werkstatt Buschers.
Der 75jährige Münchner war, so kann man heute nachlesen, über den Auftrag in Königshofen sehr erfreut. Buscher mußte sich bei seinem Besuch in Königshofen zunächst nicht nur mit dem damaligen Stadtpfarrer Adam Pfeuffer und dessen Vorstellungen auseinandersetzen, sondern auch mit dem Kirchenschiff. Buscher einigte sich gemeinsam mit Adam Pfeuffer darauf, den neuen Hochaltar der gotischen Halle anzupassen. Der Aufbau sollte jenen Meisteraltären gleichen, wie sie vor der Barockzeit im Chor der Königshöfer Kirche gestanden haben könnten. Buscher wollte allerdings den neuen Altar so gestalten, daß die Glasfenster im unteren Teil nicht verdeckt werden. Der „eigenwillige alte Herr setzte sich jedoch durch, so daß der Altar in seiner heutigen Form entstand“, heißt es in den Aufzeichnungen.
Der Künstler konzipierte dann den Altar in der jetzigen Größe auch auf die Gefahr hin, daß die langgezogenen Chorfenster zum Teil verdeckt würden. Der erste Plan für den neuen Altar wurde im September 1935 entworfen. Nach der Fertigstellung der Tabernakelengel verstarb Buscher allerdings 1937. Professor August Weckbecker übernahm das Erbe Buschers und vervollkommnte den Plan, der am 9. März 1938 genehmigt wurde. Der wie sein Vorgänger fromme und geniale Künstler stellte sein Werk am Bartholomäustag 1939, noch ohne Flügelbilder, vor. Bei normalen Kreuzaltären, solch einer ist der Bad Königshofener, wird links die Geburt Jesu und rechts die Geistsendung dargestellt. Adam Pfeuffer setzte aber wohl bewußt die Erschaffung der Erde an die linke Außenseite des Altars, sagte Stadtpfarrer Linus Eizenhöfer. „Er hat sich etwas dabei gedacht, denn immer wieder ist in der Darstellung das Wort „Fiat“ zu lesen.“.
Nach Aussage des Stadtpfarrers bedeutet dies „Es geschehe“ und verweise somit auf die Schöpfungsgeschichte „Am Anfang war das Wort.“ Fortgesetzt wird dies auf der zweiten Bildtafel, die die Geburt Christi darstellt. „Das Wort ist Fleisch geworden“, das ist hier zu sehen. Der Geistliche habe wohl bewußt die Verbindung gesucht, um dieses große Geheimnis des christlichen Glaubens herauszustellen, sagte Stadtpfarrer Linus Eizenhöfer. Daß es sich bei der Geburt um ein überirdisches Geschehen handelt, sei den vielen Engelsdarstellungen zu entnehmen, die das Bild umsäumen. Stadtpfarrer Eizenhöfer: „Das Wort ist Fleisch geworden, welch schöne Botschaft an uns alle, die uns Kraft für das neue Jahr geben sollte.“
Noch vor seinem Tod schuf er deren Modelle, so daß der Altar doch noch seine Vollendung erfahren konnte. Professor Weckbecker, so kann man weiter nachlesen, arbeitete zwar im Geiste Buschers, habe aber nicht mehr jene feinfühlige Gabe gehabt, jede Figur frei von Klischees fertigen zu können. So scheinen im Gegensatz zu den von Buscher geschaffenen Engel die Gruppierungen etwas starr. Die Darstellungen, so wissen Kenner weiter zu berichten, seien kaum mit jenen, wie sie Thomas Buscher „voller Leben“ ins Bild gesetzt habe, zu vergleichen. Der Altar in Bad Königshofen mit den Engelsgruppen um den Tabernakel sei der Abschluß in Thomas Buschers Arbeitsprogramm gewesen. In seinem letzten Meisterwerk habe er bewiesen, daß er zu den begabtesten Mitgliedern der Münchner Holzschnitzschule zählte.
Mittlerweile hat sich eine Agentur für kulturhistorische Recherchen mit den Werk von Thomas Buscher und August Weckbecker aus München befaßt. Die Kunsthistorikerin Adelheid Waschka will für weitere Recherchen im kommenden Jahr nach Bad Königshofen kommen, um sich selbst ein Bild vom letzten Werk Buschers und Weckbeckers zu machen. Interessant sind nicht nur die wieder entdeckten Fotos, sondern auch der Briefwechsel zwischen dem damaligen Stadtpfarrer Adam Pfeuffer und Thomas
Buscher.

Das letzte Werk des Münchner Künstlers Thomas Buscher sind die Engelsdarstellungen am Bad Königshofener Hochaltar und zwar links und rechts vom Tabernakel. Buscher entwarf zwar noch das gesamte Kunstwerk des „Kreuzaltars“ erlebte seine Vollendung aber nicht mehr.

Nach 70 Jahren wurden jetzt in alten Unterlagen die Entwürfe von Thomas Buscher zum Bad Königshofener Hochaltar entdeckt. Repro-Foto: Friedrich

So sah der Altar aus, der vor dem jetzigen Hochaltar in der Bad Königshofener Stadtpfarrkirche stand. Repro-Foto: Friedrich
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