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Die neugeschaffene Herbergssuche ist der erste Darstellung der nachfolgenden Krippenlandschaft in der Klosterkirche Kreuzberg

Bischofsheim (hf). Eigentlich werden die Weihnachtskrippen ja erst am Heiligen Abend aufgestellt. Bereits seit Sonntag allerdings kann man in der Wallfahrtskirche am Kreuzberg in der Rhön einen Teil der künftigen Krippenlandschaft bewundern. Erstmals sieht man dort dann die Herbergssuche. Sie ist ja bekanntlich auch ein Teil der Weihnachtsgeschichte. Geschnitzt wurde das Werk in den vergangenen Monaten in der Werkstatt von Günter Metz in Langenleiten und der hatte sich lange vorher schon Gedanken gemacht.

Man fühlt sich hineinversetzt in eine fränkische Dorflandschaft, betrachtet man das neueste Werk von Günter Metz. Es ist ein fränkisches Wirtshaus mit schönem Fachwerk und geschnitzten Balken. Es hat einen Ausleger und zeigt einen wohlbeleibten Wirt, der auf der Treppe seines Gasthauses steht und mit energischer Geste Maria und Josef abweist. Bruder Johannes Matthias, der kürzlich diese Darstellung zum ersten Mal sah, war sichtlich begeistert. „Sie ist ausdrucksstark und hervorragend umgesetzt, so daß man sagen kann: Die Krippe lebt.“

Gemeinsam mit Günter Metz betrachtet er die als Schwanger dargestellte Maria, daneben Josef, der, wie der Rhöner Holzschnitzer erklärt, „in einem Bündel seine sieben Zwetschgen eingepackt hat.“ Maria ist in einem hellbraunen Gewand zu sehen, darüber trägt sie einen blauen Schal, den sie sich um den Kopf gewickelt hat. Der Heilige Josef ist als junger Mann, um die 30 dargestellt mit braunem Umhang, so wie ihn die Rhöner früher getragen haben. Genau diese Verbindung will der Rhöner Schnitzer auch immer wieder herstellen.

Typische Bauerngesichter sind es, so wie man sie früher in den Rhöndörfern vorfand. Ein oft faltiges Gesicht, eine Oma, die kein Geld für ein neues Gebiss hatte, einfache Kleidung, Holzschuhe. Es sind Gesichter, die Metz entweder aus der Erinnerung schnitzt oder anhand von Fotografien für seine Krippenlandschaften in Holz umsetzt. Geschnitzt wird übrigens meist in Lindenholz, sagt Metz. Es eignet sich am besten und ist nicht zu hart.

So kann es durchaus vorkommen, daß der eine oder andere aus dem Bekannten oder Freundeskreis von Günter Metz sich in einer Krippe wiederfindet. Er nimmt die Darstellung einer alten Frau aus der Krippe und verweist darauf, daß dies die Großmutter seiner Frau darstellt, ein Nachbar ist in der Krippe ebenso verewigt wie der Urgroßvater und auch der Hund von Günter Metz. Einer der ebenfalls in der Rhöner Krippe in der Kirche am Kloster Kreuzberg zu finden ist, ist auch Bruder Johannes Matthias. Eigentlich sei es nur ein Zufall gewesen, sagt Metz, Bruder Johannes Matthias aber meint: gut getroffen.

Aufmerksam geworden sei er durch Besucher der Krippendarstellung, die ihn dort entdeckten. Da habe er selbst erst einmal nachgeschaut. Natürlich mache das auch ein bisschen stolz in solch einer Krippe stehen zu dürfen, auch wenn man dafür so manches mal auch Hohn und Spott ertragen mußte. Schließlich habe eine Krippe einen besonderen Bezug zum Franziskanerorden. Der Heilige Franziskus sei es nämlich gewesen, der die erste lebende Krippe zusammengestellt hat. Nicht nur Bruder Johannes Matthias ist als Krippendarstellung wieder zu finden, sondern auch Bruder Oswald und zwar als Bettelmönch mit einem Bettelsack, so wie es früher üblich war. Damit wollte der Rhöner Schnitzer auf die Franziskaner als Bettelorden verweisen.

Bereits vor einem Jahr hat sich Günter Metz erste Gedanken zur Herbergssuche gemacht. Solch eine neue Darstellung müsse durchdacht werden. So entstand zunächst ein Modell, daraus dann Stück für Stück die Herbergssuche mit dem Fränkischen Gasthaus. Die Figuren von Günter Metz sind übrigens alle handbemalt. Eine Arbeit die seine Frau mit viel Fingerspitzengefühl und Können erledigt. Aquarellfarben sind es, die aufgetragen werden und der Darstellung eine ganz besondere Note geben. 

Die neue Herbergssuche als erster Teil der Kreuzbergkrippe ist ein erster Schritt für weitere biblische Szenen, meint Günter Metz und Bruder Johannes ist da seiner Meinung. Angedacht ist als nächstes die Flucht nach Ägypten zu schnitzen und man könnte auch die Darstellung Jesu im Tempel noch hinzufügen, sagt der Rhöner Schnitzer. Es gebe auch Krippen, die den Kindermord durch Herodes aufgegriffen haben. Das jedoch sei eine zu grausame Szene, die man nicht darstellen möchte. Die große Krippenlandschaft am Kreuzberg, die vor zwei Jahren aufgestellt wurde, zieht übrigens alljährlich viele Besucher an. Bruder Johannes Matthias nennt es oft eine wahre Wallfahrt, die da zum Kreuzberg kommt, um die von Günter Metz geschnitzte Krippenlandschaft zu sehen. Oft sei es so, daß sich die Leute gar anstellen müssen, um zur Krippe zu kommen.

Bruder Johannes Matthias vom Kloster Kreuzberg ließ sich in der vergangenen Woche, kurz vor der Aufstellung, die neue Szene „Herbergssuche“ von Holzschnitzer Günter Metz in Langenleiten einmal erläutern. Der zeigte ihm vor allem den in Rhöner Tracht geschnitzten, energischen Wirt, der das heilige Paar abweist. Foto: Friedrich

So sieht die neue Herbergssuche aus, die seit Sonntag am Kreuzberg in der Rhön zu bewundern ist. Vor der Haustüre der Wirt, daneben Maria und Josef, die um Einlass bitten, aber abgewiesen werden. Foto: Friedrich

 


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